Der umfassende Guide zu Teilzeitarbeit in der Schweiz

Aktualisiert am 1. November 2023

Teilzeitarbeit wird in der Schweiz immer beliebter. Aber welche Regelungen und Arten der Teilzeitarbeit gibt es? Und macht Teilzeitarbeit eigentlich glücklicher? All dies lesen Sie in unserem umfassenden Guide. Aber erst einmal mehr zu den harten statistischen Fakten:Europaweit gesehen, liegt die Schweiz auf Platz 2, wenn man sich die Zahl der Erwerbstätigen ansieht, die in Teilzeit arbeiten. In 2019 waren es 39% aller Erwerbstätigen. Im Ländervergleich liegen lediglich die Niederlande mit 51% der Erwerbstätigen in Teilzeit davor.Gerade in den letzten Jahren hat sich der Trend zur Teilzeitarbeit immer stärker durchgesetzt. Angaben des Bundesamts für Statistik zufolge ist dies vermehrt bei Arbeitnehmern mit Schweizer Pass der Fall (40%). Und ähnlich wie in anderen Ländern auch, arbeiten in der Schweiz rein statistisch betrachtet weiterhin mehr Frauen als Männer in Teilzeit. Die Anzahl von Männern, die sich für eine Teilzeitstelle entscheiden, steigt jedoch stetig.
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Was bedeutet Teilzeit in der Schweiz?

Offiziell gilt als Definition von Teilzeitarbeit, dass der Beschäftigungsgrad einer erwerbstätigen Person bei ihrer Haupterwerbstätigkeit weniger als 90% beträgt. Was genau bedeutet dies im Vergleich mit Vollzeitstunden? In der Schweiz werden in Vollzeitstellen im Durchschnitt 38,5 bis 42,5 Stunden pro Woche gearbeitet. Demnach würde die 90% Grenze zwischen 34,65 und 38,25 Stunden liegen. Natürlich hängt diese auch von den tatsächlich vereinbarten Vollzeitstunden ab, die im jeweiligen Arbeitsvertrag ausgewiesen sind.Wenn Ihr Arbeitsvertrag in Vollzeit eine Stundenanzahl von 45 Stunden pro Woche aufweist, würde dies bedeuten, dass eine Teilzeitstelle vorliegt, wenn Sie weniger als 40,5 Stunden pro Woche arbeiten würden. Demnach kann die Stundenanzahl bei Teilzeitstellen in der Schweiz sehr unterschiedlich ausfallen. Die genaue Anzahl der Stunden wird in der Regel mit dem Arbeitgeber vereinbart.Ausserdem kann ein Erwerbstätiger in Teilzeit sich auch dazu entscheiden, für mehrere Arbeitgeber in Teilzeit zu arbeiten. Zu beachten gilt hier jedoch die sogenannte Treuepflicht, die besagt, dass der Arbeitnehmer die Interessen seines Arbeitgebers wahren muss. Demnach kann er nicht für zwei Unternehmen in Teilzeit arbeiten, die in Konkurrenz zueinander stehen. Zudem enthalten Arbeitsverträge oftmals Hinweise darauf, dass eine schriftliche Informations- und Meldepflicht für zusätzliche Beschäftigungen besteht. Infolgedessen müssen Sie Ihre Arbeitgeber von weiteren Stellen informieren.Das könnte Sie auch interessieren:

Existiert in der Schweiz ein Recht auf Teilzeit?

Während in Deutschland ein Recht auf Teilzeit im Arbeitsgesetz festgeschrieben ist, ist dies in der Schweiz nicht der Fall. Ein Erwerbstätiger in Teilzeit ist laut Artikel 319 im Obligationsrecht dazu verpflichtet, in einem per Vertrag vereinbarten Zeitraum Leistungen zu erbringen, für die er im Gegenzug vom Arbeitgeber bezahlt wird.Auch wenn dies nicht explizit im Gesetz festgeschrieben ist, gilt grundsätzlich eine Gleichstellung von Voll- und Teilzeitangestellten.

Wie werden Teilzeitarbeitnehmer entlohnt und wie ist die berufliche Vorsorge geregelt?

Gehälter in Teilzeit werden grundsätzlich regulär monatlich gezahlt; wie bei einer Vollzeitanstellung. Bei manchen Jobs bietet sich auch eine stündliche Bezahlung an, was ebenfalls gestattet ist.Generell gilt in der Schweiz eine Pflicht für die berufliche Vorsorge bei Arbeitsverhältnissen, deren Jahreslohn mindestens 21.330 Schweizer Franken beträgt (Stand 2019). Als Teil dieser Beiträge wird ein Teil des Lohns monatlich abgeführt. Der Arbeitgeber muss ebenfalls einen Anteil dieser Beiträge zahlen.Ausserdem ist gesetzlich festgeschrieben, dass Teilzeitbeschäftigte mit einem Lohn, der jährlich weniger als 20.880 Schweizer Franken beträgt, nicht BVG-pflichtig sind. Diese Schwelle wird oftmals von Teilzeiterwerbstätigen nicht erreicht. Wer sich dennoch versichern möchte, hat andere Optionen. So können Sie auch bei niedrigerem Einkommen freiwillig einer Auffangeinrichtung beitreten. Eine professionelle Beratung von Experten ist in dieser Hinsicht gerade bei Teilzeitbeschäftigten empfehlenswert.Manche Pensionskassen nehmen auch niedrige Einkommensgruppen an. Arbeiten Sie bei mehreren Arbeitgebern, kann ausserdem vereinbart werden, dass Sie als Arbeitnehmer mit dem Gesamteinkommen bei einer Pensionskasse versichert werden. Besteht diese Möglichkeit nicht, kann auch hier der freiwillige Beitritt zu einer Auffangeinrichtung eine Lösung sein.

Unfallversicherung für Teilzeit-Erwerbstätige

Bei einer Arbeitszeit von mehr als acht Stunden pro Woche sind Erwerbstätige automatisch gegen Nichtbetriebsunfälle versichert. Bei einer Teilzeitstelle wird die Wochenarbeitszeit aus der durchschnittlichen Arbeitszeit der letzten drei oder 12 Monate ermittelt. Unfälle, die während der Arbeit geschehen, sind für alle Erwerbstätigen versichert. Dies gilt auch, wenn die wöchentliche Arbeitszeit unter acht Stunden liegt.

Arten der Teilzeitarbeit in der Schweiz

Grundsätzlich wird in der Schweiz zwischen echter und unechter Teilzeit unterschieden. Eine echte Teilzeit gilt, wenn regelmässige oder unregelmässige Einsätze wiederholt erbracht werden. Dies ist meistens der Fall. Im Gegensatz dazu spricht man beispielsweise von unechter Teilzeit bei Modellen wie der Arbeit auf Abruf.Generell existieren auch in der Schweiz verschiedene Modelle für Teilzeit: die regelmässige Teilzeitarbeit, Arbeit im Stundenlohn, Arbeit auf Abruf, Jobsharing und Mehrfachbeschäftigung.

Die regelmässige Teilzeitarbeit

Eine regelmässige Teilzeit zeichnet sich dadurch aus, dass ein vereinbartes Stundenpensum wöchentlich erbracht wird. Meist wird in diesem Zusammenhang ein monatliches Gehalt gezahlt. Demnach unterscheidet sich diese Erwerbstätigkeit nicht all zu sehr von einer Vollzeitstelle. Es werden lediglich weniger als 90% der Stunden gearbeitet, die in einer vergleichbaren Vollzeitanstellung erbracht werden müssten. Wenn Feiertage in die Arbeitszeit des Erwerbstätigen in Teilzeit fallen, wird der Monatslohn in der Regel nicht gekürzt. Zu beachten gilt in diesem Zusammenhang jedoch, dass Feiertage, die auf arbeitsfreie Tage des Arbeitnehmers fallen, nicht erstattet werden müssen.

Arbeit im Stundenlohn

Die Arbeit im Stundenlohn unterscheidet sich von regelmässiger Teilzeit hauptsächlich dadurch, dass der Lohn stündlich gezahlt wird. Der Einsatz pro Stunde ist dabei genau vereinbart. Dies bietet sich an, wenn die tatsächlichen Stunden, die pro Woche gearbeitet werden, variieren. Eine Besonderheit hierbei ist, dass häufig Urlaubsgeld auf den Stundenlohn aufgeschlagen wird. Der Arbeitnehmer kann sich infolgedessen zwar freinehmen, der Lohn muss ihm jedoch nicht in der Ferienzeit ausgezahlt werden. Oft wird diese Regel auch bei Feiertagen angewandt, für die auf den Stundenlohn eine prozentuale Entschädigung aufgeschlagen wird. Diese variiert je nach Anzahl der kantonalen Feiertage.

Arbeit auf Abruf

Wer auf Abruf arbeitet, muss sich an die Wünsche des Arbeitgebers halten und arbeiten, wenn der Arbeitgeber dies fordert. Je nach abgeschlossenem Vertrag hat der Arbeitnehmer die Pflicht, im Rahmen dieses Vertrags dem Aufruf zur Arbeit des Arbeitgebers zu folgen. Im Gegensatz dazu sehen manche Verträge es aber auch vor, dass der Mitarbeiter frei entscheiden kann, ob er dem Arbeitsaufruf nachkommt oder nicht. Genaue Angaben zu Entlohnung und Freizeit werden in diesem Fall ebenfalls im Vertrag festgelegt. Bei diesem Modell können ausserdem zusätzliche Fragen aufkommen, wie zum Beispiel, ob der Arbeitnehmer eine Entschädigung für seine „Bereitschaft“ erhält.

Jobsharing in der Schweiz

Ein weiteres Modell der Teilzeitarbeit ist das sogenannte Jobsharing, bei dem sich zwei oder mehrere Personen eine Stelle teilen. Wie genau dies abläuft, wird in der Regel in Absprache mit dem Arbeitgeber und den anderen Erwerbstätigen der Stelle festgelegt. Das Bundesamt für Statistik gab bekannt, dass in 2016 in der Schweiz 3,7% aller Arbeitnehmer im Jobsharing Modell arbeiteten. Auf die Erwerbstätigen in Teilzeit bezogen waren es 9,8%. Oft findet man Jobsharing-Modelle in den Bereichen Erziehung und Schule, bei Büropersonal und auch in akademischen Berufen.Das moderne Arbeitsmodell bietet für beide Parteien diverse Vorteile. So können Arbeitnehmer Privat- und Arbeitsleben leichter vereinbaren und Arbeitgeber haben die doppelte Kompetenz und ein grösseres Netzwerk. Ebenfalls von Vorteil ist, dass die Aufteilung nicht unbedingt 50:50 sein muss. Auch andere Stellenaufteilungen sind denkbar.Die Schweizer Initiative „Go-for-jobsharing“ hat es sich zum Ziel gesetzt, dieses Modell im Land zu fördern. Mit einer Kombination von Informationen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Hilfestellungen zur Umsetzung solcher Modelle und Events mit Fokus auf Job-Matchmaking will sie dies erreichen.

Mehrfachbeschäftigung in Teilzeit

Manchmal entscheiden sich Beschäftigte in Teilzeit dafür, in mehreren Jobs in Teilzeit zu arbeiten. Dies kann aus persönlichen Gründen geschehen oder einfach, weil beide Jobs in Teilzeit ausgeschrieben sind. Je nach Arbeitszeiten sind allerdings Regeln zu beachten, beispielsweise wenn Tag- und Nachtarbeit kombiniert werden.Dann gilt, dass die effektive Arbeitszeit insgesamt neun Stunden nicht überschreiten darf. Tägliche Ruhezeiten müssen ebenfalls eingehalten werden. Neben täglichen und wöchentlichen Höchstarbeitszeiten und Ruhezeiten müssen auch Regelungen zum wöchentlichen freien Halbtag, zur Sonntagsarbeit und zu Sonderbestimmungen eingehalten werden. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Schweizer Arbeitsgesetz.

Warum arbeiten die Schweizer so gerne in Teilzeit?

Wie in anderen Ländern auch sind die Gründe dafür, warum sich ein Arbeitnehmer für eine Teilzeitstelle entscheidet, vielfältig. Unter anderem hängen diese auch vom Alter und der jeweiligen Lebenssituation des Erwerbstätigen ab. Einer der häufigsten Hintergründe für Teilzeitarbeit ist die Kinderbetreuung. Dies wird insbesondere von Frauen als Grund für ihre Erwerbssituation genannt. Auch weitere familiäre Verpflichtungen spielen bei weiblichen Erwerbstätigen häufig eine Rolle.Im Gegensatz hierzu geben Männer häufig ein Studium oder eine Weiterbildung als Hintergrund ihrer Teilzeitarbeit an. Für die Familie da zu sein, spielt aber auch für Väter eine Rolle. Trotz niedrigerer Zahlen als bei Frauen, entscheiden sich mehr und mehr Männer dafür, nur in Teilzeit zu arbeiten. Statistiken des Bundesamts für Statistik zufolge arbeiten 82% der Mütter, deren jüngstes Kind unter vier Jahren alt ist, in Teilzeit. Bei Männern sind dies 14%.Neben der Familie wird eine verbesserte Work-Life-Balance, die durch zusätzliche Freizeit erlangt werden soll, ebenfalls oft als ein grosser Vorteil von Teilzeitarbeit genannt. Zudem fühlen sich viele Erwerbstätige in Teilzeit mehr wertgeschätzt.Lesen Sie auch: Vor- und Nachteile einer Teilzeitstelle: Das sollten Sie wissen

Sind Angestellte in Teilzeit glücklicher?

Diese Frage stellen sich viele, die über die Wahl eines Teilzeitjobs nachdenken. Eine Studie von Swiss Life bejahte dies. Demzufolge geben in Teilzeit arbeitende Eltern an, dass sie mehr Freude im Job haben, sich weniger gestresst und gleichzeitig mehr wertgeschätzt fühlen. 44% der in Teilzeit Arbeitenden gaben in der Studie an, dass ihr Leben ihren Idealvorstellungen entspräche. Im Vergleich hierzu waren dies bei Eltern in einer Vollzeitanstellung lediglich 30%. Es scheint also, dass eine Teilzeitanstellung durchaus zur Zufriedenheit eines Erwerbstätigen beitragen kann.
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